Tiergestützte Intervention kann nur dann als professionell gelten, wenn das Wohl des eingesetzten Tieres konsequent mitgedacht und geschützt wird. Dieses Modul stellt daher die Bedürfnisse der Tiere in den Mittelpunkt und schafft eine fundierte ethische und fachliche Grundlage für verantwortungsvolles Handeln, welches von einer Fachkraft für tiergestützte Intervention erwartet wird.
Ein zentraler Bestandteil ist die Auseinandersetzung mit Tierethik und Tierschutz. Die Teilnehmenden lernen die relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen kennen – insbesondere die Anforderungen des Tierschutzgesetz (Deutschland) sowie weitere tierschutzrechtliche Grundlagen. Dabei wird deutlich: Tiere sind keine Werkzeuge für pädagogische oder therapeutische Ziele, sondern Partner in einem sensiblen Arbeitskontext.
Ausgehend von diesem Verständnis wird diskutiert, wo die Grenzen tiergestützter Intervention liegen. Wann ist der Einsatz eines Tieres sinnvoll – und wann nicht? Welche Situationen bergen das Risiko von Überforderung oder Instrumentalisierung? Die Teilnehmenden entwickeln eine klare professionelle Haltung, die Tierwohl als unverhandelbare Voraussetzung jeder Intervention versteht.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf konkreten Tierwohlkriterien. Die Teilnehmenden lernen, Stress- und Belastungssignale frühzeitig zu erkennen und richtig zu interpretieren. Dazu gehören unter anderem Körpersprache, Rückzugsbedürfnisse und Verhaltensänderungen der Tiere. Ebenso wird vermittelt, wie ein verantwortungsvolles Pausen- und Belastungsmanagement gestaltet werden kann, damit Tiere dauerhaft gesund und motiviert im Einsatz bleiben.
Ergänzend dazu widmet sich das Modul der Spezieskunde der wichtigsten in der tiergestützten Arbeit eingesetzten Tiere. Jede Tierart bringt eigene Kommunikationsformen, Bedürfnisse und Grenzen mit. Behandelt werden unter anderem:
- Hund
- Pferd
- Esel
- Schaf
- Alpaka
Die Teilnehmenden lernen, die spezifischen Potenziale und Risiken dieser Tiere differenziert einzuschätzen. Dabei geht es nicht um pauschale Begeisterung für Tiere, sondern um eine fachlich reflektierte Perspektive: Welche Settings sind für welche Spezies geeignet? Welche Zielgruppen profitieren besonders? Und wo liegen klare Grenzen?
Am Ende dieses Moduls verfügen die Teilnehmenden über ein solides Verständnis für den „Passungsraum“ zwischen Tier, Setting und Zielgruppe. Sie lernen, Entscheidungen nicht nur aus menschlicher Perspektive zu treffen, sondern auch aus Sicht des Tieres – eine Kernkompetenz professioneller tiergestützter Arbeit.
Praxisanteil: Besuch einer Praxisstelle
Ein zentrales Element des Moduls ist der Besuch einer Praxisstelle der tiergestützten Intervention.
Inhalte des Praxisbesuchs
- Vorstellung einer Tierart im professionellen Einsatz
- Herkunft und Ethologie
- Wesen, Temperament, Eignung
- Ausbildungsweg des Tieres
- Hygienische und organisatorische Rahmenbedingungen
- Beobachtung einer realen Intervention oder Simulation
- Analyse des Settings
- Zielgruppe
- Zieldefinition
- Methodischer Aufbau
- Rolle der Fachkraft
- Selbsterfahrung der Teilnehmenden
Die Teilnehmenden erleben bewusst die eigene Wirkung im Kontakt mit dem Tier:
- Körperwahrnehmung
- Emotionsregulation
- Beziehungsaufnahme
- eigene Haltung und innere Bilder
Reflexionsfragen:
- Was hat sich im Kontakt verändert?
- Welche Wirkmechanismen wurden spürbar?
- Welche Grenzen wurden deutlich?
- Wie erlebte ich die Rolle der Fachkraft?
Die Selbsterfahrung dient der Sensibilisierung für professionelle Selbstreflexion und spätere Praxisarbeit.
Bedeutung
Dieses Modul schafft die ethische Grundlage für tiergestützte Intervention. Die Teilnehmenden lernen, das Wohl der eingesetzten Tiere konsequent in den Mittelpunkt zu stellen und ihre Arbeit auf Grundlage von Tierethik, Tierwohlkriterien und rechtlichen Rahmenbedingungen – insbesondere des Tierschutzgesetz (Deutschland) – verantwortungsvoll zu gestalten. Gleichzeitig entwickeln sie ein differenziertes Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Tierarten wie Hund, Pferd, Esel, Schaf und Alpaka.
