Im zweiten Modul der Weiterbildung zur Tiergestützten Intervention steht die Mensch–Tier-Beziehung als zentrales Wirkmedium im Fokus. Tiere sind nicht „Werkzeuge“, sondern Beziehungspartner – und genau diese Beziehung bildet die Grundlage für Veränderungsprozesse. Ziel des Moduls ist es, die Wirkmechanismen tiergestützter Interventionen fachlich fundiert zu verstehen und das eigene professionelle Handeln reflektiert daran auszurichten.
Dabei gehen wir der Frage nach: Was wirkt tatsächlich – und warum? Neben der Analyse wirksamer Faktoren beleuchten wir auch mögliche „blinde Flecken“ sowie die Gefahr einer unreflektierten Romantisierung der Mensch–Tier-Beziehung. Die Teilnehmenden lernen, zwischen intuitivem Erleben und wissenschaftlich fundierten Wirkmodellen zu unterscheiden und ihre Interventionen bewusst und begründet zu gestalten.
Neurobiologische Grundlagen
Ein Schwerpunkt liegt auf neurobiologischen Prozessen, die in der Begegnung zwischen Mensch und Tier aktiviert werden. Dazu gehören unter anderem:
- Stressreduktion durch Regulation des autonomen Nervensystems
- Die Rolle von Oxytocin in Bindungs- und Vertrauensprozessen
- Auswirkungen auf Aufmerksamkeit, Selbstregulation und emotionale Stabilisierung
Diese Erkenntnisse helfen, beobachtbare Veränderungen fachlich einzuordnen und Interventionen gezielt zu planen.
Psychologische Wirkfaktoren
Auf psychologischer Ebene betrachten wir zentrale Konzepte wie:
- Bindung und Beziehungsgestaltung
- Spiegelprozesse und emotionale Resonanz
- Motivation und Selbstwirksamkeit
Die Teilnehmenden setzen sich damit auseinander, wie Tiere als soziale Katalysatoren wirken können und welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Beziehung tatsächlich entwicklungsfördernd wirkt.
Kommunikationspsychologische Aspekte
Ein weiterer Themenblock widmet sich der Kommunikationspsychologie. Dabei geht es um:
- Nonverbale Signale in der Mensch–Tier-Interaktion
- Resonanz- und Synchronisationsprozesse
- Bewusste Wahrnehmung und Gestaltung von Interaktionsmustern
Hier wird insbesondere der Blick für feine Beziehungsdynamiken geschärft – sowohl im Kontakt mit dem Tier als auch im Dreieck Mensch–Tier–Fachkraft.
Methodische Umsetzung
Zur Vertiefung der Inhalte arbeiten wir praxisnah mit:
- Videoanalysen von Mensch–Tier-Interaktionen
- Rollenspielen zur Reflexion professioneller Haltung
- Fallbeispielen und kollegialer Auswertung
Diese Methoden unterstützen die Teilnehmenden dabei, Beobachtungskompetenz, Selbstreflexion und fachliche Argumentationsfähigkeit weiterzuentwickeln.
Praxisanteil: Besuch einer Praxisstelle
Ein zentrales Element des Moduls ist der Besuch einer Praxisstelle der tiergestützten Intervention.
Inhalte des Praxisbesuchs
- Vorstellung einer Tierart im professionellen Einsatz
- Herkunft und Ethologie
- Wesen, Temperament, Eignung
- Ausbildungsweg des Tieres
- Hygienische und organisatorische Rahmenbedingungen
- Beobachtung einer realen Intervention oder Simulation
- Analyse des Settings
- Zielgruppe
- Zieldefinition
- Methodischer Aufbau
- Rolle der Fachkraft
- Selbsterfahrung der Teilnehmenden
Die Teilnehmenden erleben bewusst die eigene Wirkung im Kontakt mit dem Tier:
- Körperwahrnehmung
- Emotionsregulation
- Beziehungsaufnahme
- eigene Haltung und innere Bilder
Reflexionsfragen:
- Was hat sich im Kontakt verändert?
- Welche Wirkmechanismen wurden spürbar?
- Welche Grenzen wurden deutlich?
- Wie erlebte ich die Rolle der Fachkraft?
Die Selbsterfahrung dient der Sensibilisierung für professionelle Selbstreflexion und spätere Praxisarbeit.
Bedeutung des Moduls für die Weiterbildung
Ziel des Moduls ist es, die Mensch–Tier-Beziehung nicht nur intuitiv zu erleben, sondern sie als professionelles Instrument bewusst, reflektiert und wissenschaftlich fundiert einzusetzen.
Termine:
- und 17.05.2026
Oder:
- und 06.09.2026
Uhrzeit: Beginn 9:00 Uhr – Ende 17:00 Uhr
Kosten
Kosten Modul 2: 500€
